Tagebuch der Weltmeisterschaft NS 2009
Der Sektion NS in Pirna/D
Diese Zeilen sollen dem geneigten Leser die Distanz zu einer Weltmeisterschaft nehmen und aufzeigen, dass so ein Anlass ganz normal und nicht etwa gehobener Art ist. Es gibt dabei "Ellbögler", rücksichtsvolle Menschen und man hat die Chance, wertvolle Menschen kennen zu lernen.
27.7.2009 Die AbreiseBlick auf den Hohentwil bei Singen Übernachten auf dem Rastplatz
|
300 Kilometer von zu Hause entfernt...Wir haben uns Pirna etwas genähert. Dort wo 2009 die Weltmeisterschaft im Modellschiffbau, Sektion NS, stattfindet. Weiter führte die Fahrt über Markdorf, Ravensburg und Ulm und auf der A7 haben wir nun beim Rastplatz Lonetal den ersten Nachthalt eingeschaltet. Die Fahrt dahin war heiss und die Luft im Wohnmobil stickig. Mit etwa 90 km/h sind wir hinter den Lastwagen her gegondelt und sind erstaunt wie weit man mit diesem Tempo kommt. |
28.7.2009 WeiterreiseRichtung Hof Chemnitz Waldcamping Pirna |
Nach PirnaNach einer leicht unruhigen Nacht, umgeben von laufenden Kühlkompressoren, An- und Wegfahrten von Fahrzeugen und nach einem Gewaltsgewitter surrte um 06:15 Uhr der Weckton des Natels. Nach einem kurzen Morgenessen im Restaurant fuhren wir auf der A7 weiter bis Feuchtwangen (es war aber trocken). Dort wechselten wir auf die A6, dann A9 Richtung Dresden/Berlin. Nach der Verzweigung Vogtland/Hof, benützten wir dann die A72 bis Chemnitz. Über die A4 und A172 erreichten wir um 14:15 Uhr Pirna.
Obwohl einen Tag zu früh wurden wir von zwei jungen Mädchen nett empfangen und konnten unseren reservierten Platz sofort beziehen. Der Waldcamping Pirna ist ein besonderer Platz. Man erhält einen Laserschlüssel mit dem man alle Einrichtung auf dem Platz benützen kann (WC, Dusche und so weiter). Unser Parzellennachbar - ein Flugmodellbauer - half mit einem kleinen Spitzeisen zum "Vorlochen" aus. Der Boden ist nämlich recht steinig. Die sogenannte Komfortparzelle hat Wasser, Abwasser und TV-Anschluss wobei ich keinen Wasserschlauch anschliessen konnte da meiner nicht der EU-Norm genügte... und TV habe ich auf dem Dach. Das Wettbewerbs-Gewässer - ein FKK Gelände
|
31.7.2009 1. TagSonne und 30 Grad Training mit Spielzeugschiffchen Viel Publikum für unsere SL Bereitstellung zur Eröffnung "Unser" Mädchen
|
Registrieren, Training und EröffnungNun beginnt es. Dachte ich noch, dass beim Registrieren das Schiff vor Ort sein muss und gemäss Messbrief nachgemessen wird, durfte ich mich angenehm überraschen lassen. Die Messbriefe werden dem Mannschaftsleiter übergeben und dieser geht damit zur Registratur. Die Mannschaft hält sich für Rückfragen draussen auf und die Schiffe bleiben zu "Hause". So gesehen ging die Registrierung schnell vorbei und man konnte schon Kontakte knüpfen. Helmut Langl, seines Zeichens Wertungschef bei den "Dämpfeler", war so einer. Ein Ur-Münchner in Wort, Gestik und Gesinnung. Danach war "Training" angesagt. Kurt und ich wählten die Startstelle 2 und waren am Anfang alleine dort. Unsere Dampfschiffe funktionierten einwandfrei. Nur mein Auge für das obere Wendetor war dauernd falsch, sprich zu hoch, eingestellt. Plötzlich waren wir von Russen, Deutschen und anderen umzingelt die mit Spielzeugböötchen (F4-C) aus Plastik erschienen und die Wasserfläche höchst unsicher machten. Und die machten richtig Training. Wir hatten keine Chance mehr, das obere Tor zu "üben". Die Schiffchen waren so klein, dass sie quer durch die Tore fahren konnte. Zudem war es äusserst schwer diese kleinen Dinger auf dem Wasser auszumachen, da praktische alle entweder schwarz oder grau waren und es kam einige Male zu Fast-Zusammenstösse mit unseren 17 kg schweren Dampfschiffen und 4.5 Meter Bremsweg. EröffnungUm 16:30 Uhr fuhren uns öffentliche Busse zum Bereitstellungsort für die Eröffnung. Diese wurde mit einem Umzug aller teilnehmenden Nationen durch das Städtchen Pirna eingeleitet. Voraus marschierte eine Pfeifen/Trommler Formation von der wir natürlich als zweitletztes Land nichts hörten. Bei jedem Land war ein Mädchen mit einer Namenstafel vorhanden und die Teilnehmer mussten eine Fahne an ihren vier Ecken tragen.
|
1. 8. 2009 2. TagSonne und über 30 Grad Heinz im Clinch
|
Nationalfeiertag für die SchweizerWie für die Schweiz üblich wurde dieser weder begangen noch öffentlich gemacht... Für Heinz Althaus begann jedoch schon der "Ernst" der Sache. Die Bauwertung für sein F7-Programm stand auf dem Programm. Das Warten wurde zur Geduldsprobe für alle. Wie üblich kam "Switzerland" als zweitletzte Nation an die Reihe. Oh Schreck - man verlangte für das F7-Schiff Baupläne. Ein Novum für uns. Zum Glück war noch ein anderer Modellbauer mit einer Norderney im Zelt und so konnte der Bauplan ausgetauscht werden. Die drei Schiedsrichter - alles Russen, nur einer konnte etwas englisch - arbeiteten Punkt für Punkt durch das ganze Vorführprogramm. Das dauerte eine Ewigkeit.... Wir Dämpfeler nahmen uns das Dampfschiff von Helmut Pfurtscheller zur Brust. Sein Dampfkessel mit dem Keramikbrenner wollte nicht so recht. Kurt kniete sich da hinein und fand dann später auch die Lösung.
Ein gemeinsames Nachtessen der Schweizer Camper unter freiem Himmel mit Unterstützung eines "Seenachtfestes" in der Ferne, erlebten wir einen tollen Abend. |
2.8.2009 3. TagSonne und über 32 Grad |
Noch liegen wir faul herum...
|
3.8.2009 4. TagRegen und 15-17 Grad Verflixt und Kruzitürk - was steht denn da drauf? Na - hab schon umfangreichere Sachen gesehen (Helmut Langl - Schiri) Dem hab ich's vielleicht gegeben! NSS auf dem Kurs |
BauwertungHeute steht für uns die Bauwertung der Dampfschiffe auf dem Tableau. Beginn schon um 08:30 Uhr im Zelt. Die Schiffe stellten wir schon um 07:30 Uhr ins schon fast gefüllte Zelt. Endlich sahen wir nun auch die Dampfmodelle, die bis anhin in ihren Kisten eingesperrt waren. Wir schafften uns auf den Tischen den benötigten Platz und begannen mit dem Ausharren. Zwangsläufig kam man mit anderen Dampfmodellbauern ins Gespräch. Eine kleine Aufregung gab es dann noch in unseren Reihen als bekannt wurde, dass die Dampfschiffe als F2-Modelle bewertet werden. Unsere Dampferchen waren jedoch lediglich nach einem Modellbauplan gebaut worden und verdienen somit nur den Namen Vorbildgetreu.... Steht im NAVIGA-Reglement - man muss halt nur lesen können... Die Schiedsrichter haben als erstes mal alle zu bewertenden Dampfschiffe abgeschritten und dann den ersten aufgerufen. Am Nachmittag machte ich noch einige Videobilder von der NSS Klasse (Segler) und dann das erste F6 Programm der Franzosen. Hier wurde die Geschichte - frei nach Charles de Gaulle - erzählt: Der Sturm in der Normandie durch die Franzosen??!! Endlich war die Knallerei und Pfeiferei vorbei und ich packte ein. EIN F6-Programm genügt mir.
F6: Frankreich und der D-Day
|
4.8.2009 5. TagSonne und 26 Grad zimi-steam auf Kurs und mit Volldampf voraus
Viel Publikum für das F7 |
Das erste Fahren der DampferHeute werden die Karten neu gemischt und die anderen Kollegen sind vor uns gewarnt Alle Vorbereitungsstellen bei der Startstelle 2 waren schon besetzt. Ein rechter Schweizer weiss sich aber zu helfen und verlässt sich nicht auf andere. Ich startete gleich durch und durchfuhr alle Tore bis zum Tor 6 (das oberste) ohne Probleme. Das erste Mal durchfuhr ich das Tor oberhalb der Boje, das zweite Mal gelang die Durchfahrt, streifte aber eine Boje (Unsere Video zeigte aber keine Berührung!). Das Rückwärtsfahren war dann unsere Spezialität. Nun kam auch etwas Gegenwind auf als ich auf die Anlegestelle zufuhr. Schnurgerade fuhr ich langsam in die enge Passage. 30 cm vor dem Ende stoppte ich etwas feste und das Heck driftete gegen die seitliche Anlegestelle. Ich rief kurz Stopp, nahm die Hände hoch und nach etwas 2 Sekunden berührte das Schiff die Anlegestelle. Abzug. Totalpunkte hier: 87 Punkte. Helmut Pfurtscheller hatte totales Pech: Sein Brenner wollte einfach nicht richtig funktionieren und somit konnte sein Schiff nicht aufs Wasser gesetzt werden. Das war ein Nullerlauf. Funktionsmodelle F7Heinz Althaus ging motiviert an den Start trotz des heftigen Gegenwindes. Wie alle gezeigten F7-Programme war auch seines nur für die Schiedsrichter ausgelegt. Die Zuschauer, etwa 20-40 Metern entfernt, bekamen von den Funktionen nichts mit. Heinz fand sich aber schnell mit den Widrigkeiten des Windes gut ab und konnte sein Programm wenige Sekunden vor Ablauf der gesetzten Zeit beenden.
Trotz Wind und Wellen: Heinz gelang das Aussetzen und Einholen des Bootes |
5.8.2009 6. TagBewölkt und 22-26 Grad Festung Königstein |
Wettkampffreier Tag und grosser Show Event auf dem WettkampfplatzGrosser Schaufahrtag für die Bevölkerung von Pirna und für uns Teilnehmer stand eine Dampferfahrt nach Königstein mit dem Besuch der dortigen Festung inklusive Essen in den Kasematten auf dem Programm. Müssig Worte über die Dampferfahrt und die geführte Führung auf der Festung zu verlieren. Am Abend kamen wir gerade noch zur rechter Zeit zurück um einige in der Luft schwebende Helikopter zu sehen und das Nachtfahren der Modellschiffer. Was zu bemerken ist: Die Bevölkerung fand sich - verglichen mit der Schweiz - extrem zahlreich bei der Wasserzunft ein und harrte bis zum Schluss aus. |
6.8.2009 7. TagSchön und >28 Grad Pfeifendes Sicherheitsventil und Helmut Pfurtscheller kann fahren
|
2. Fahren der ModelldampferEs ist Donnerstag und unsere zweite Modell-Dampfer Fahrt stand auf dem Programm. Startreihenfolge rückwärtiges Alphabet an Startstelle 2. Zu diesem Zweck war die Namensliste Kopf über angeschlagen worden. Kurt Zimmermann startet als erster und fuhr alle Tore mit Ausnahme des Rückwärtstores ohne Fehlabzug. Das Streifen einer Boje im Rückwärtstor gab mal 4 Punkte und in der Anlegestelle berührte sein Schiff die Seitenwände. Helmut Pfurtscheller konnte heute Dank der ausserordentlichen Arbeit von Kurt Zimmermann fahren. Leider fuhr Helmut beim Tor 6 (oben) zweimal daneben. Ich startete unmittelbar nach Helmut und durchfuhr alle Tore ohne Fehlpunkte. Dachte ich. Doch die Schiedsrichter befanden, dass ich die beiden oberen Bojen innen gestreift hatte. Als ich zum Eindocken fuhr und sich das Schiff mit dem Bug Dock befand, fuhr ein weiterer Teilnehmer mit seinem Modell in Volldampf am Dock vorbei und verursachte Wellen, die das Heck meines Dampfers gegen die Seitenwand drückte. Das brachte mich so aus dem Konzept, dass ich das nachfolgende Stoppmanöver "versaute". Zu Bemerken ist, dass ich beim Losfahren vom Schiedsrichter (ein Tscheche) zur Langsamfahrt angehalten wurde (es fuhr ein Tscheche in das Dock) und als ich eindockte wurde beim Wellen verursachenden Kapitän nichts unternommen. Das ärgerte mich schon etwas. Schliesslich glaubte ich mich an einer Weltmeisterschaft.... Schliesslich erfreute ich mich trotzdem der erreichten Punkte, wissend, dass das nur ein Zwischenergebnis ist und ich noch weiter ins Mittelfeld abrutschen werde. |
7.8.2009 8. TagSchön und >28 Grad nidi-steam beim Versuch die Tore zu treffen Ein Team beim Bauen, Entwickeln und beim Heben
|
Letzter aktiver Tag an der WM in PirnaWiederum fanden wir uns pünktlich um 08:15 Uhr auf dem Wettbewerbsgelände ein. Auch Kurt patzerte, fuhr aber diesmal das Rückwärtstor sauber durch. Beim Anlegen funktionierte die Maschine nach der Umstellung auf Zurück nicht mehr mit kleinem Dampf sondern nur noch mit viel Dampf und weg waren die Punkte bei der Anlegestelle. Kostete Kurt den 3. Platz in der Gesamtwertung. Fehler: Die eine Umsteuerung hat sich gelockert und verstellte dabei die Umsteuerung leicht. Helmut konnte seinen dritten Lauf problemlos mit dem Schiff absolvieren, allerdings lief auch bei ihm nicht alles wie er es sich gewünscht hatte. Wohlgemerkt, wir waren nicht an einer Schweizermeisterschaft.... |
8.8.2009 9. TagHeiss und noch viel heisser Umzingelt von den Rot/Weissen - die Weiss/Roten |
SchlusszeremonieAm Nachmittag fand die Schlusszeremonie mit Rangverkündigung auf dem Sportplatz statt. So gegen 13 Uhr schritten wir unter Ausschluss der Öffentlichkeit Richtung Fussballstadion (eher ein einfacher Platz). Dort stellten wir uns - die jeweiligen Landesfahnen zu unseren Füssen - in einem U auf. Nach diversen Ansprachen, Ehrungen und Danksagungen konnte dann zur Rangverkündung geschritten werden. Es erklangen hauptsächlich Russische, Tschechische, Chinesische und Deutsche Landeshymnen. Für eine schweizerische Hymne fehlten Kurt 23.00 Punkte und für den dritten Rang bloss 5 Punkte. Am Schluss wurde die NAVIGA Hymne abgespielt, die Fahne eingezogen und symbolisch einem Vertreter von Ungarn übergeben. Die nächste Weltmeisterschaft der Sektion NS findet also in den nächsten Jahren in Ungarn statt. Noch mehr Bilder |
Aktualisiert (Dienstag, den 11. Mai 2010 um 09:38 Uhr)














































