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Geschichte der Alemannen

alemannenGeschichte der Alemannen im Spiegel der Zeit

Stellt euch vor, ihr lebt an einem fernen Ort, wo sich Fuchs und Hase „gute Nacht“ sagen und dort ist es zudem meist kalt und regnerisch. Jedes Jahr beim Jahrmarkt kommt ein Händler aus dem tiefen Süden vorbei, bringt allerlei wundersame Sachen mit und erzählt zudem vom schönen Leben in einem Land, wo fast Milch und Honig fliesst und es Äpfel, Birnen und sogar Trauben in Hülle und Fülle gibt ! Da möchte ich den kennen, der da nicht hellhörig wird ! ammengestellt von Fridolin Märk

So oder ähnlich ging es auch unseren Vorfahren vor etwa 2000 Jahren. Sie lebten in Nordost Europa, sehr wahrscheinlich dort, wo jetzt die baltischen Länder liegen. Ihr Land gab ihnen zum Leben zu wenig und zum Sterben zuviel. Als zudem noch weiter östlich wohnende Völker ihnen ihr eigenes Land streitig machten, wurde es ihnen zu bunt. Da riefen die Stammeshäuptlinge alsbald von einer Sippe zur Anderen : Alle Manne zusammen packen, wir hauen ab ! Da der damalige Haushalt noch nicht über so Krempel wie DVD Player, Fernsehgeräte, Computer , Heiss und Umluftherde verfügte, waren die „Sieben Sachen“ ja bald auf dem Leiterwagen verstaut. Das Vieh konnte ja selbst laufen und sie machten sich , zuerst wenige, dann immer mehr auf den Weg in´s „gelobte Land“. Nicht so schnell wie heute, es gab ja noch keine Autobahnen. Und immer nur im Herbst und Winter, denn im Frühjahr mussten ja die Felder bestellt und im Herbst geerntet werden.

Von wegen Tiefkühltruhe und Aldi an jeder Ecke !

alemannengeschichte-2Da bei dieser Wanderschaft aber auch keine Zeit zum Schreiben geblieben ist, erzählen uns als Erste die römischen Historiker vom Auftauchen unserer Vorfahren am Limes, der Nordgrenze des römischen Weltreiches, also am Rhein und an der Donau . Exakt im Jahr 233 n. Chr. war vorerst einmal ein Stopp angesagt, denn der römische Kaiser Severus Alexander sagte ganz unzweideutig : Bis hierher und keinen Schritt weiter, sonst gibt es Haue . Na, ja, von der langen Reise schon müde, wollte man sich da auf Nichts einlassen und verlegte sich auf´s Abwarten. Und sie mussten nicht allzu lange warten, denn der Kaiser Valerian musste seine Truppen vom Limes nach Italien abziehen, weil so ein unguter Typ von Gegenkaiser ihm seinen Thron streitig machte. So konnten ein Teil der Alemannen, wie sie damals schon genannt wurden, im Jahre 253 mühelos bei Mannheim den Rhein überqueren und sich westlich von ihm niederlassen. Der andere Teil zog über den Neckar in Richtung Süden Richtung Bodensee .

Es gab aber auch nicht Wenige, denen genügte das Erreichte noch nicht, sie wollten gleich bis ans Mittelmeer. Das hätten sie lieber bleiben lassen sollen ! Sie kamen nämlich im Jahr 258 nicht als Touristen, um an der Adria zu baden . Da hatten die Römer wenig Gaudi mit ihrem Erscheinen, so dass sie bei Mailand von den Truppen des Generals Gallienus gehörig den Hintern versohlt bekamen und schleunigst wieder über die Alpen zu Mama und Papa nach Hause an den Bodensee rannten.

Obwohl Kaiser Diokletian um das Jahr 280 n. Chr. trotz der vielen Eindringlinge in Ost und West die Grenzen des römischen Reiches wieder herstellen konnte, gelang ihm dies nicht mehr vollständig, denn ab dem Jahre 254 waren die tatsächlichen Herren am Oberrhein und Bodensee die Alemannen. Über ein Jahrhundert später ( 368 ) versuchte Kaiser Valentinian das Gebiet noch einmal zurück zu erobern. Er kam zwar bis in die Gegend von Heilbronn, aber jetzt konnte man mit den Alemannen nicht mehr so leicht umspringen und ausser dem Alemannenmädchen Bissula, in das er sich unsterblich verliebt hatte, war für ihn nun nichts mehr zu holen.

Im Jahre 406 war die Westgrenze am Rhein wegen der Westgotengefahr in Oberitalien gänzlich von Truppen entblösst und so konnten alle anstürmenden und auch von den Hunnen bedrängten Völker in der folgenden Silvesternacht den zugefrorenen Rhein auf der ganzen Länge überqueren.

Die Völkerwanderung war nun nicht mehr aufzuhalten !

Zu dieser Zeit waren aber unsere Vorfahren südlich der Neckar – Donaulinie bis herunter zum Bodensee schon recht sesshaft geworden und es gefiel ihnen anscheinend hier im Süden .

Es war also eine durchaus friedliche und sukzessive Landnahme. Sie nahmen Teile der Sprache, der Sitten und Gebräuche der einheimischen Bevölkerung an und die jungen Männer verheirateten sich mit feinen römischen Mädchen und Frauen. ( Man gönnt sich ja sonst fast nichts ! )

Sie zeigten dadurch auch keine Lust mehr, zu den Nachfahren von Asterix und Obelix nach Gallien weiter zu wandern. Wohl auch aus Angst vor den berühmt berüchtigten Hinkelsteinen !

Ihnen genügte es, sich bis an die natürlichen Grenzen im Süden am Alpenhauptkamm breit zu machen. Aber auch dazu liessen sie sich gehörig Zeit ! In Vorarlberg zum Beispiel bis nach Feldkirch um das Jahr 1000 n. Chr.

In dieser Zeit kamen ziemlich ungebeten die irischen Mönche Bonifazius und Gallus in´s Alemannenland um die Bekehrung zum Christentum einzuleiten. Das ging auch nicht ganz reibungslos vor sich, denn die Mönche gingen da ziemlich ungestüm vor. Als Gallus und Kolumban anfingen, die bestehenden Tempel zu zerstören, wurden sie ohne viel Federlesen zu machen , verjagt. Gallus verkroch sich in einer Einsiedelei im St. Galler Wald und Kolumban rannte so schnell er konnte, nach Italien. Und trotzdem gelang es diesen Bekehrern , die Klöster von St. Gallen und Reichenau als geistliche Bildungszentren zu gründen.

Handwerklich waren ja die Alemannen immer schon begabt und Kässpätzle machen, war für richtige Alemannenfrauen schon längst kein Problem mehr. Doch nun konnten die Söhne und Töchter reicher Alemannen endlich auch das Lesen und Schreiben lernen.

Das war auch notwendig, denn es gab ja auch bald so etwas wie ein alemannisches Grundgesetz. Denn auch das Alemannenvolk sollten ja wissen, was sich nun gehört oder nicht ! alemannengeschichte-1

Dieses Gesetzeswerk , die LEX ALLAMANNORUM ist in lateinischer Sprache verfasst und eine der ersten Urkunden der Alemannen . Sie beginnt mit „IN CHRISTI NOMINE / INCIPIT TEXTUS / LEX ALLAMANNORUM / qui temporibus landfrido filio / godofrido renovata est. Die LEX ALLAMANNORUM entstand in den Jahren 712 bis 725 unter dem Herzog Landfrid, der ein Sohn Godofrieds war, im Kloster auf der Insel Reichenau.

Es gliedert sich in drei Teile.

In die Kirchensachen, die Herzogsachen und die Volkssachen.

Der umfangreichste Teil dieses Gesetzbuches war den Volkssachen gewidmet. Und hier war es vor allem der Bussenkatalog für alle möglichen Vergehen. Es ging hier in erster Linie um die Bezahlung einer Busse an die Sippe des / der Verletzten.

Da es für euch sicher von Interesse ist, möchte ich daraus die Bussen für die Vergewaltigung einer Frau herausgreifen.

Es wird in vier Tatbestände untergliedert !

bei einer Jungfrau

 

Entblössen des Hauptes

6 Silberschillinge

Entblössen des Kleides bis zu den Knien

6 Silberschillinge

Entblössen der Geschlechtsteile

12 Silberschillinge

Vergewaltigung

40 Silberschillinge

bei einer verheirateten Frau

Entblössen des Hauptes

12 Silberschillinge

Entblössen des Kleides bis zu den Knien

12 Silberschillinge

Entblössen der Geschlechtsteile

24 Silberschillinge

Vergewaltigung

80 Silberschillinge

Interessant in diesem Zusammenhang wäre noch, was ein Silberschilling für einen heutige Wert darstellen würde.

Für euch zusammen gestellt und zum Lesen empfohlen :

Es grüsst euch aus Vorarlberg

euer Alemannen Obmann

bild_fridolinfridolinmaerk

Aktualisiert (Freitag, den 12. Oktober 2007 um 19:29 Uhr)